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Ratgeber · Skrei

Skrei angeln auf den Lofoten

Jeden Winter zieht der Skrei aus der Barentssee an die Lofoten, um zu laichen. Für Angler ist das die Zeit der großen Dorsche, mit Fischen bis weit über zehn Kilo. Und die kälteste Zeit des Jahres.

Stand 18. Oktober 20268 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Skrei ist nordostarktischer Kabeljau (Gadus morhua), der zum Laichen an die Lofoten und Vesterålen zieht.
  • Saison ist Januar bis April, im Vestfjord voll da von Februar bis Ende April. Gelaicht wird im März und April.
  • Bestes Revier: der Vestfjorden vor Henningsvær. Die Nordseite ist ebenfalls sehr gut, aber oft wegen des Wetters nicht erreichbar.
  • Geangelt wird mit Pilkern von 200 bis 500 Gramm und großen Gummifischen in 40 bis 120 Metern Tiefe.
  • Dorsch-Mindestmaß auf den Lofoten fast immer 55 cm. Heilbutt hat in der ganzen Skrei-Saison Schonzeit.
  • Im Januar gibt es nur etwa drei Stunden Tageslicht, Mitte März schon über elf. Ein Flotation-Anzug ist Pflicht.

Was Skrei ist

Ein Skrei, ein laichreifer Kabeljau, schwimmt im dunklen Wasser des Vestfjords.
Skrei, Gadus morhua: drei Rückenflossen, zwei Afterflossen, Bartfaden am Kinn und eine helle Seitenlinie, die sich über der Brustflosse nach oben wölbt.

Skrei ist ein Dorsch mit einer langen Reise hinter sich. Der nordostarktische Kabeljau wächst in der Barentssee auf. Wenn er geschlechtsreif ist, schwimmt er jeden Winter Hunderte Kilometer nach Süden an die Küste Nordnorwegens. Die wichtigsten Laichgründe liegen vor den Lofoten und Vesterålen.

Der Name kommt vom altnordischen Wort für wandern. Durch die Reise sind die Fische kräftig und schlank, das Fleisch ist fest und weiß. Skrei können laut dem norwegischen Meeresforschungsinstitut bis zu 169 Zentimeter lang und 55 Kilo schwer werden. Beim Angeln sind Fische zwischen fünf und fünfzehn Kilo typisch.

Die Fischerei auf den Skrei heißt Lofotfisket und hat die Inseln über Jahrhunderte geprägt. Die roten Rorbuer, in denen heute Urlauber wohnen, waren Unterkünfte für Fischer, die im Winter zum Skrei kamen. Und die Holzgestelle mit trocknendem Stockfisch, die du von Februar bis Juni überall siehst, gehören genauso dazu.

Skrei oder Küstendorsch

Biologisch sind beide dieselbe Art, Gadus morhua. Der Unterschied liegt in der Lebensweise, und den merkst du am Haken.

SkreiKüstendorsch
LebensraumBarentssee, kommt nur zum Laichen an die Küstebleibt das ganze Jahr in Küstennähe und in den Fjorden
Wann auf den LofotenJanuar bis Aprilganzjährig
Aussehenschlank, hell, silbrig-grünlichoft dunkler, im Tang rötlich-braun
Typische Größe beim Angeln5 bis 15 kg2 bis 10 kg
Bestandgroßer Bestand, aber stark schwankendnördlich von 62° schwach, deshalb streng geregelt

Für dich als Angler gelten für beide dieselben Regeln. Das Mindestmaß von 55 Zentimetern innerhalb der 4-Seemeilen-Zone soll den geschwächten Küstendorsch schützen und gilt deshalb auch für jeden Skrei, den du in Küstennähe fängst.

Wann der Skrei kommt

Die ersten Skrei tauchen im Januar auf. Ab Februar ist er im Vestfjord voll da, und das bleibt bis Ende April so. Gelaicht wird im März und April. Viele Ausflugsanbieter auf den Lofoten fahren ihre Winter-Touren deshalb von Mitte Februar bis Ende April.

MonatSkreiTageslicht Mitte des MonatsLuft (Mittel)
Januardie ersten Fischeetwa 3 Stunden0,3 °C
Februarvoll daknapp 8 Stunden−0,4 °C
Märzvoll da, Laichzeit beginntgut 11,5 Stunden0,3 °C
Aprilvoll da bis Saisonendefast 16 Stunden2,7 °C

Tageslicht für Svolvær nach den Sonnendaten des norwegischen Wetterdienstes, Temperaturen sind Mittelwerte 1991 bis 2020 der Station Svolvær Flughafen.

Wie gut ein Jahr wird, hängt vom Bestand ab. Die Fänge der Berufsfischer im Lofotfisket sind seit dem Rekord von 69.200 Tonnen im Jahr 2014 deutlich gesunken. Für Angler heißt das nicht, dass nichts beißt. Es heißt, dass man wissen sollte, wo die Schwärme in dieser Woche stehen. Jedes Jahr im März findet in Svolvær außerdem die Weltmeisterschaft im Skreiangeln statt, offen für alle. Wer in der Woche kommt, sollte Unterkunft und Boot früh buchen.

Wo du ihn findest

Das bekannteste Skrei-Revier ist der Vestfjorden auf der Südseite der Inselkette. Und dort vor allem das Wasser vor Henningsvær rund um den Henningsværstraumen: Hier stehen die Laichdorsche im Winter oft am dichtesten, und Henningsvær ist seit jeher einer der wichtigsten Häfen des Lofotfisket. Weiter südwestlich, vor Stamsund und Ballstad, wird ebenfalls gefangen. Die Fische stehen an Kanten und über Plateaus, meist in 40 bis 120 Metern Tiefe, und ziehen mit Strömung und Futter.

Auch die Nordseite der Lofoten ist im Winter extrem gut für Skrei. Das offene Meer dort ist aber deutlich rauer, und an vielen Tagen kommst du wegen Wind und Dünung schlicht nicht raus. Wer im Winter auf der Nordseite angeln will, braucht flexible Tage und ein seetüchtiges Boot. Ein Echolot ist auf beiden Seiten das wichtigste Werkzeug an Bord: Die großen Schwärme zeigen sich als dichte Wolke über dem Grund.

Seekarte der Lofoten mit Wassertiefen: die Inseln Moskenesøya, Flakstadøya, Vestvågøya, Gimsøya und Austvågøya, der Vestfjorden im Süden mit über 300 Metern Tiefe und das Nordmeer im Norden. MoskstraumenNappstraumenGimsøystraumenÅReineBallstadHenningsværSvolværRambergHaukland
Küste © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Tiefen: EMODnet Bathymetry (CC BY 4.0), eigene Darstellung. Nicht zur Navigation geeignet.

Vom Ufer ist Skrei die Ausnahme. In manchen Wintern kommen Fische nah an Kaianlagen und Molen, verlassen kann man sich darauf nicht, und im flachen Wasser bringt Uferangeln im Winter meist wenig. Für den Skrei brauchst du ein Boot, ob gemietet oder als Ausflug.

Montage, Köder und Technik

Klassisch ist der Pilker, je nach Tiefe und Drift zwischen 200 und 500 Gramm. Daneben funktionieren große Gummifische von 15 bis 25 Zentimetern auf schweren Jigköpfen sehr gut, weil sie langsamer absinken und mehr Bewegung haben. Ein Beifänger über dem Pilker bringt oft den zweiten Fisch.

Montage: Pilker mit Beifänger für Dorsch und Skrei Geflochtene Hauptschnur, 0,17 bis 0,25 mm Wirbel, gegen Schnurdrall Vorfach Mono oder Fluorocarbon, 0,60 bis 0,80 mm, etwa 1 m Beifänger: Gummimakk oder Twister am Seitenarm von etwa 20 cm, 50 cm über dem Pilker Karabiner mit Wirbel, schneller Köderwechsel Pilker, 150 bis 500 g je nach Tiefe und Drift
Die Standardmontage für Dorsch und Skrei. Der Beifänger bringt oft den zweiten Fisch, und manchmal beißt der Dorsch nur auf ihn.

So führst du den Köder

  1. Köder bis zum Grund ablassen, die Schnur dabei leicht bremsen, damit sie sich nicht um den Pilker wickelt.
  2. Sofort ein bis drei Meter hochkurbeln. Skrei stehen oft knapp über dem Grund, und so vermeidest du Hänger.
  3. Rute in langen, ruhigen Zügen anheben und den Köder wieder absinken lassen. Die meisten Bisse kommen in der Absinkphase.
  4. Zeigt das Echolot den Schwarm höher, dort fischen. Geflochtene Schnur mit Farbwechsel alle zehn Meter hilft, die Tiefe zu treffen.

Rute: Pilkrute mit 20 bis 30 lbs, dazu eine kräftige Multi- oder große Stationärrolle mit geflochtener Schnur. Welches Gewicht du brauchst, rechnet dir der Ködergewicht-Rechner im Ratgeber Ausrüstung aus.

Kälte, Wind und Licht

Durch den Golfstrom ist es auf den Lofoten im Winter milder, als man denkt. Die Mitteltemperatur liegt von Dezember bis März um den Gefrierpunkt. Der Wind macht es auf dem Wasser trotzdem bitterkalt, und das Meer selbst hat im März und April nur etwa vier bis sechs Grad.

Packliste fürs Winterangeln

  • Flotation-Anzug, der warm hält und dich im Wasser trägt. Viele Vermieter haben welche, frag nach deiner Größe.
  • Darunter mehrere Schichten Merino oder Fleece, keine Baumwolle.
  • Zwei Paar Handschuhe: warme, wasserfeste zum Fahren und dünne zum Angeln, dazu Ersatz.
  • Mütze, Halstuch oder Sturmhaube.
  • Warme, wasserdichte Stiefel mit einer Nummer Luft für dicke Socken.
  • Thermoskanne und etwas zu essen. Auf dem Wasser verbrennst du mehr, als du denkst.
  • Stirnlampe für die kurzen Tage im Januar.

Im Januar ist es nur rund drei Stunden hell, ab Februar kommt das Licht schnell zurück. Mitte März sind die Tage schon länger als elf Stunden, und abends gibt es mit etwas Glück Polarlichter.

Vom Skrei zum Stockfisch

Holzgestelle mit trocknendem Stockfisch vor verschneiten Bergen auf den Lofoten zur blauen Stunde.
Stockfisch auf dem Gestell. Getrocknet wird von Februar bis Juni im Freien.

Ein großer Teil des gefangenen Skrei wird auf den Lofoten zu Stockfisch (tørrfisk) verarbeitet. Die Fische werden ausgenommen, paarweise zusammengebunden und auf die Holzgestelle (hjell) gehängt. Dort trocknen sie von Februar bis in den Juni allein durch Wind und kalte Luft, ohne Salz. Danach reift der Fisch noch einige Monate im Lager.

Wer im Winter oder Frühjahr auf den Lofoten ist, sieht die Gestelle überall. Fotografieren ist in Ordnung, die Fische gehören aber den Betrieben. Im Stockfischmuseum in Å siehst du, wie die Verarbeitung abläuft.

Behalten, versorgen, mitnehmen

Für den Skrei gilt das normale Dorsch-Mindestmaß: 55 Zentimeter innerhalb von 4 Seemeilen vor der Küste, also fast überall, wo du auf den Lofoten angelst, weiter draußen 44 Zentimeter. Heilbutt hat vom 20. Dezember bis 20. April Schonzeit und muss in dieser Zeit immer zurück, auch als Beifang beim Skreiangeln.

Einen großen Skrei versorgst du am besten sofort: kurz betäuben, durch einen Schnitt an den Kiemen ausbluten lassen und kühl lagern. Im Winter reicht dafür oft eine Kiste an Deck. Filetiert wird an Land.

Ausführen darfst du seit 2026 bis zu 15 kg pro Person (ab 2027: 10 kg), aber nur, wenn du über einen registrierten Angeltourismus-Betrieb gefangen hast. Alle Details stehen bei den Regeln für Norwegen.

Häufige Fragen

Wann ist Skrei-Saison auf den Lofoten?
Von Januar bis April. Von Februar bis Ende April ist er im Vestfjord voll da, gelaicht wird im März und April.
Was ist der Unterschied zwischen Skrei und Dorsch?
Skrei ist nordostarktischer Kabeljau, also ein Dorsch, der aus der Barentssee zum Laichen an die norwegische Küste wandert. Der Küstendorsch bleibt das ganze Jahr in Küstennähe. Biologisch ist es dieselbe Art.
Wie groß wird ein Skrei?
Bis zu 169 cm und 55 kg laut norwegischem Meeresforschungsinstitut. Beim Angeln sind Fische zwischen 5 und 15 kg typisch.
Wo fängt man auf den Lofoten am besten Skrei?
Am bekanntesten ist der Vestfjorden vor Henningsvær rund um den Henningsværstraumen. Auch die Nordseite der Lofoten ist sehr gut, wegen des raueren Wetters aber oft nicht erreichbar.
Kann man Skrei vom Ufer angeln?
Nur mit Glück. In manchen Wintern kommen Skrei nah an Kaianlagen, in der Regel brauchst du aber ein Boot und ein Echolot.
Ist Skrei ein teurer Fisch?
Skrei wird als Premium-Kabeljau vermarktet und kostet im Laden meist mehr als normaler Kabeljau. Selbst gefangen kostet er dich nur den Angeltag.
Wie kalt ist es im Februar auf den Lofoten?
Die Mitteltemperatur liegt um den Gefrierpunkt, auf dem Wasser macht der Wind es deutlich kälter. Das Meer hat im Winter etwa vier bis sechs Grad. Ein Flotation-Anzug ist Pflicht.

Quellen: Havforskningsinstituttet: Nordostarktischer Kabeljau, Store norske leksikon: Lofotfisket, Visit Norway: Skrei, yr.no: Klimastatistik Svolvær, Fiskeridirektoratet: Mindestmaße. Regeln ändern sich, prüf vor der Reise den aktuellen Stand.